Vorrangstellung des Menschen und Interdisziplinarität

Das Denken Angelo Dalle Molles hat seinen Ursprung sicherlich in der italienischen Renaissance (Rinascimento), mit der es eine wesentliche Vision teilt: die Vorrangstellung des Menschen, seiner Entwicklung und seines Glücks. Wie die Philosophen der Renaissance konzentriert Dalle Molle seine Philosophie auf den Menschen, so wie er ist, in seiner Individualität, seiner Vielfalt und seinem Willen, sich selbst zu verwirklichen. Für ihn muss der Mensch das "Mass" der Wissenschaft sein. Sie darf ihn nicht unterwerfen, sondern muss ihn im Gegenteil im weiteren Sinne befreien und ihm lästige Aufgaben abnehmen, aber auch seine Kommunikation und Mobilität vereinfachen oder die Qualität seiner Umgebung verbessern.

Eine solche Fokalisierung auf den Menschen setzt von Anfang an einen interdisziplinären Ansatz voraus. Das Denken Dalle Molles entwickelt sich nach und nach in kohärenter Weise auf einem langen Weg und führt schliesslich zu einer umfassenden, philosophisch geprägten Denkweise. Allerdings durfte die Philosophie für Dalle Molle das Denken nicht leiten und begrenzen, sondern musste ihm neue Horizonte eröffnen und zugleich eine globale Vision der Realität fördern.

 

«Ich schuf dich als ein Wesen, weder sterblich noch unsterblich, allein damit du dein eigener freier Bildner und Gestalter seiest. Du kannst zum Tier entarten und zum gottähnlichen Wesen dich wiedergebären.»

Pico della Mirandola, italienischer Humanist, 1463-1494